
Anna Perepechai
Tears of Things
Anna Perepechai (geb. 1989 in Poltawa, UA) ist bildende Künstlerin und Fotografin und lebt und arbeitet seit 2014 in Deutschland und der Ukraine. Aus einer migrantischen Perspektive untersucht sie, wie sich koloniale und imperiale Gewalt in Landschaften, Körpern und Alltagsgegenständen einprägt, insbesondere im Kontext ehemals sowjetisierter Gesellschaften. Zu den zentralen Themen ihrer Arbeit zählen das Zeugen, die Erinnerung sowie Zustände zeitlicher und emotionaler Unvollständigkeit. Ihre Praxis verbindet dokumentarische und subjektive Ansätze, kameralose und objektivbasierte Fotografie, Text sowie Archivmaterialien.
Tears of Things ist ein multimediales Werk, das den russischen Krieg gegen die Ukraine aus der persönlichen Perspektive der Künstlerin reflektiert. Als ukrainische Migrantin, die in Deutschland lebt – wohin sie 2014 als Freiwillige kam und unerwarteterweise blieb –, verwebt die Künstlerin Erinnerungen, Verluste und Beobachtungen zu einer Auseinandersetzung mit Krieg, Migration und Widerstand. Das Projekt hat seinen Ursprung in Perepechais Heimatregion Tschernihiw an der Grenze zu Russland und Weißrussland, die seit 2014 unter ständiger Bedrohung steht. Die groß angelegte Invasion im Jahr 2022 betraf ihre Familie unmittelbar, und Erfahrungen mit Besatzung und Verlust prägen das Werk bis heute. Tears of Things vereint Fotografie, Text, Video und materialbasierte Praktiken. Es thematisiert Trauer und Zerrissenheit ebenso wie Widerstand, Fürsorge und Erinnerungsarbeit und verbindet dokumentarische Beobachtung mit experimentellen Formen, um eine Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und einer ungewissen Zukunft zu schlagen. Im Rahmen dieser Einreichung werden mehrere Projekte aus Tears of Things präsentiert, darunter die gleichnamige Installation, mit der das Gesamtwerk seinen Anfang nahm.