
Kaiween Kang
Double Surroundings
Kaiween Kangs künstlerischer Ansatz basiert vor allem auf sozialen Kontexten und theoretischer Forschung, wobei sie das Medium des Bewegtbildes selbst experimentell untersucht und dessen Formate und Modelle reaktiviert. Im Zentrum ihrer Forschung steht die Suche nach einer „ökologischen“ Existenz des Bewegtbildes sowie die Frage nach einer neuen Beziehung zwischen „dem Menschen“ und „der Welt“ angesichts der technologisch zunehmenden Entropie im Anthropozän.
Double Surroundings nutzt Gewitter als planetarischen Mechanismus der Apokalypse, um Wahrnehmung unter postkolonialen und posthumanen Bedingungen zu untersuchen. Gedreht in griechischen Städten, Minen, auf Fischerbooten und nächtlichen Fähren, begreift die Arbeit den Klang als primäres Medium und formt daraus einen dezentrierten akustischen Kosmos, geprägt von Wetter, Geologie und Meer. Neben den gefilmten Landschaften zeigen drei weitere Screens KI-generierte Stillleben von Innenräumen, sogenannte „Demon Rooms“, die dieselbe Sonne, dasselbe Universum und dieselbe Zeitlichkeit wie die realen Orte teilen. Die Erzählung beginnt mit dem biblischen Gleichnis von Graysons Dämon und wird später durch die Kosmologie des Klassikers der Berge und Meere neu geschrieben. Dabei verschiebt sich der Fokus von Konflikt und Erlösung hin zu Beziehungen, Transformation und Koexistenz. Anstatt eine Katastrophe darzustellen, erscheint der Sturm als fortwährende innere Apokalypse, die einen multispezies- und planetenbezogenen Begriff von Zeit und Beziehung eröffnet.