Aslı Özdemir - Foto: Aslı Özdemir "Ich kann mich jetzt als Akademikerin tarnen"
Foto: Aslı Özdemir "Ich kann mich jetzt als Akademikerin tarnen"

Aslı Özdemir

ICH KANN MICH JETZT ALS AKADEMIKER*IN TARNEN

Aslı Özdemir ist eine interdisziplinäre visuelle Künstlerin, deren Praxis an der Schnittstelle von intergenerationeller Erinnerung, Empowerment und einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Selbst in privaten und öffentlichen Räumen angesiedelt ist. Care – emek auf Türkisch – versteht sie sowohl als politische als auch als ästhetische Praxis: als Form von Widerstand, Arbeit und Erinnerung. Fotografie ist ihr zentrales Medium, das sie als Mittel der Intervention und Neuschreibung einsetzt. In der Arbeit mit ihrem Familienarchiv untersucht sie Gesten, Berührungen und Alltagsgegenstände als Spuren verkörperter Geschichte. Durch das Beschneiden, Vergrößern und Neuanordnen dieser Fragmente füllt sie Lücken und rahmt marginalisierte Körper und Beziehungen als aktive Subjekte neu. Darüber hinaus schafft sie intermediale Rauminstallationen, Performances und literarische Arbeiten, in denen sich fotografische und körperliche Erinnerung miteinander verweben. Ihre fotografische Sprache bewegt sich zwischen Dokumentation und Inszenierung. Mithilfe leuchtender, symbolisch aufgeladener Stillleben sowie Selbst- und Familienporträts untersucht sie Habitus als Einschreibung von Geschichte – als Kontinuität, Wiederholung und Bruch. In ihren Porträts arbeitet sie mit einer Fernbedienung und verweist damit auf einen queer-feministischen Kanon, der das Medium auf der Ebene des Bildes kritisch hinterfragt.

In ihrer Arbeit Ich kann mich jetzt als Akademiker*in tarnen legt Aslı Özdemir vertraute Gesten, Berührungen, Symbole und Innenräume aus ihrem eigenen Familienarchiv sowie aus den gegenwärtigen Lebensräumen ihrer Familienmitglieder offen. Nach monatelanger Auseinandersetzung mit dem Material ihres Familienarchivs und dem Zuhören der darin enthaltenen vielfältigen Stimmen begann sie, nach ihrem eigenen Körper, ihrer eigenen Geschichte darin zu suchen. Es war nicht nur eine Suche in der Vergangenheit, sondern zugleich eine Verortung in der Gegenwart. Sie setzte ihren Körper in die Beziehungen und Räume ein. Ihre Suche vollzog sich auf verschiedenen Ebenen: in Selbstporträts mit Selbstauslöser, Stillleben aus der Gegenwart und ausgewählten Ausschnitten aus dem Archivmaterial. Diese fungieren als Brücke zwischen Zeiten und als Auseinandersetzung mit der eigenen Position innerhalb der Familie, aber auch innerhalb des gesellschaftlichen Systems. Durch den Einsatz einer Fernbedienung macht sie die Machtverhältnisse des Mediums im Bild sichtbar. Niemand außer der porträtierten Person befindet sich im Raum: Der Blick geht nach außen zu den Betrachter*innen, er fordert heraus.

www.aslioezdemir.com

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