Vanessa Amoah Opoku - Foto: "Thresholds of Engineered Life" Vanessa Amoah Opoku (Credit: Robert Schittko)
Foto: "Thresholds of Engineered Life" Vanessa Amoah Opoku (Credit: Robert Schittko)

Vanessa Amoah Opoku

Thresholds of Engineered Life

Vanessa Amoah Opoku ist eine deutsch-ghanaische interdisziplinäre Künstlerin, die imperiale Vermessungstechnologien wie LiDAR in relationale Werkzeuge transformiert. Ihre Praxis untersucht, wie Diaspora und Displacement, die Körper, Spezies und Materialien betreffen, eigene kartografische Technologien hervorbringen: Systeme, die Verbindungen über Distanzen hinweg ermöglichen. Durch fragmentarische Punktwolken-Scans und deren Materialisierung im Raum schafft sie vielschichtige Installationen aus Wachs, Textilien und digitalen Fragmenten, die zur Begegnung einladen. Sie wurde für den S+T+ARTS Prize 2025 der Europäischen Kommission und Ars Electronica nominiert und ist Teil des BPA// Berlin Programms für Künstler*innen 26–27. Ihre Arbeiten wurden zuletzt im Belvedere 21 Wien, in den Deichtorhallen Hamburg, im Fotomuseum Winterthur, im EIGEN+ART Lab Berlin sowie auf der 18. Internationalen Textiltriennale in Łódź gezeigt. Sie lehrt Process Design an der HGK Basel FHNW. 2026 erscheint ein Künstlerinnenbuch bei DISTANZ.

In ihrer Arbeit richtet Vanessa Amoah Opoku den Fokus auf die verborgenen Systeme, die das üppige Leben in tropischen Gewächshäusern ermöglichen. Sie richtet den Blick auf die Rohre unter der Erde, zischende Sprühanlagen und blinkende Sensoren: technische Infrastrukturen, die die Kontrolle sichtbar machen, durch die Arten weit entfernt von ihren ursprünglichen Lebensräumen am Leben erhalten werden. Viele Pflanzen wurden während kolonialer Expeditionen transportiert und unter Glas konserviert. Das Gewächshaus wird so zur Metapher für fortdauernde Extraktion, die Überleben orchestriert und Natur als Spektakel inszeniert. Um diese Räume zu erfassen, verwendet sie LiDAR, das Oberflächen durch das Sammeln Tausender einzelner Punkte vermisst. Historisch wurden solche Methoden eingesetzt, um Territorien zu beanspruchen, Ressourcen zu extrahieren und Herrschaft durchzusetzen. Bis heute sind sie Teil von Überwachung und extraktiven digitalen Ökonomien. Opoku nutzt sie, um Mechanismen der Kontrolle durch Gaussian Splatting offenzulegen, bei dem jeder gemessene Punkt in ein weiches, halbtransparentes Fragment verwandelt wird. Jedes Fragment wird so zu einer Verweigerung des extraktiven Sehens und durchbricht die Illusion einer objektiven Erfassung. In der virtuellen Welt überwuchern die konservierten Pflanzen ihre Infrastruktur und kehren das Innere nach außen. In handgraviertem Stahl gerahmt, werden die Bilder durch poetische Fragmente zum Leben erweckt, die eine klangliche Transformation beschreiben. Der Klang dieser Realität entsteht aus Feldaufnahmen mechanisierter Gewächshausumgebungen und der Sonifizierung der gescannten Daten. Während sich die Punktwolken verdichten und die Pflanzen ihre Begrenzungen virtuell überwuchern, verändern sich die mechanischen Orchestrierungen: Synthetische Frequenzen erwachsen aus Koordinatendaten, algorithmische Rhythmen lösen sich in organische Texturen auf. Eine Klangschnittstelle nutzt E-Ink-Technologie – ein bewusst langsames, energiearmes Display, das sich dem reibungslosen Konsum digitaler Bilder widersetzt. Wenn Klangelemente visuelle Reaktionen auslösen, werden die inhärenten Verzögerungen und Ghosting-Effekte des Bildschirms zu poetischen Metaphern für technologische Irritation. Mechanische Infrastrukturen erscheinen zunächst in statischen Porträts, bevor sie sich in fragmentierte Spuren auflösen und zeitliche Überlagerungen erzeugen, in denen Vergangenheit und Gegenwart einander kontaminieren. Das „Versagen“ der Technologie, eine reibungslose Erfahrung zu ermöglichen, entspricht dabei der Täuschung des Gewächshauses: Beide versprechen perfekte Reproduktion und legen zugleich die Nähte ihrer konstruierten Wirklichkeiten offen.

www.instagram.com/vaopoku

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